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Vorurteile zu Wärmepumpen – Was stimmt wirklich?

Vorurteile zu Wärmepumpen - Was stimmt wirklich?

Zu laut, zu teuer und zudem Stromfresser: Einige Vorurteile halten sich hartnäckig in Bezug auf Wärmepumpen. Wir klären auf, was wirklich wahr ist.

TEXT: Dominik Lehmann; FOTOS: clevergie AG

WÄRMEPUMPEN EIGNEN SICH NUR FÜR NEUBAUTEN UND KOMPLETTSANIERTE GEBÄUDE.

Das ist eines der bekanntesten Vorurteile. Wärmepumpen sind nicht nur für Neubauten sinnvoll, sondern auch für bestehende Häuser, selbst wenn diese nicht vollständig saniert respektive gedämmt sind Mehrere geprüfte Wärmepumpen in bestehenden Bauten weisen ordentliche Effizienzwerte auf, auch wenn die Gebäude nur teilweise saniert sind. Für Wärmepumpen reichen in bestehenden Gebäuden oft einzelne Dämmmassnahmen aus. Beispielsweise ein Fensterersatz oder die Dämmung des Daches. Oft hilft auch der Einbau grösserer Heizkörper. Viele ältere Häuser können somit mit maximalen Heizungsvorlauf-Temperaturen von weniger als 50 Grad Celsius ausreichend beheizt werden. Dies gilt als kritische Grenze für den Einsatz von Wärmepumpen. Wärmepumpen können das Wasser zwar auch stärker aufheizen, arbeiten bei höheren Temperaturen aber weniger effizient. Umfangreichere Sanierungsmassnahmen sollten in jedem Fall dann erfolgen, wenn es sich um völlig ungedämmte Häuser handelt. Dies würde den Betrieb einer Wärmepumpe teuer machen da der Stromverbrauch deutlich höher ausfällt. Grundsätzlich gilt: Je besser die Dämmung, desto weniger Heizkosten hat man. Das gilt übrigens für alle Heizsysteme.

WÄRMEPUMPEN FUNKTIONIEREN NUR MIT FUSSBODENHEIZUNGEN.

Nein, diese sind nicht unbedingt erforderlich. Auch wenn es richtig ist, dass Wärmepumpen mit Flächenheizungen wie Fussboden-, Wand- oder Deckenheizungen am effizientesten laufen. Flächenheizungen geben aufgrund ihrer besonders grossen Oberfläche die Wärme am besten in den Raum ab. Mit ihnen muss das Wasser weniger stark erwärmt werden als mit normalen Heizkörpern. Aber auch mit konventionellen Heizkörpern funktionieren Wärmepumpen einwandfrei. Es ist jedoch ratsam, die Heizleistung der Heizkörper zu überprüfen und gegebenenfalls einzelne Heizkörper durch grössere Modelle auszutauschen. Je grösser der Heizkörper ist, desto weniger warm muss er werden, um den Raum ausreichend zu beheizen. Es ist also nicht notwendig, in bestehenden Häusern den Boden für eine Fußbodenheizung aufzureissen, nur um eine Wärmepumpe effizient nutzen zu können.

Vorurteile zu Wärmepumpen - Was stimmt wirklich? - Grafik 1

BEI TIEFEN AUSSENTEMPERATUREN FUNKTIONIEREN WÄRMEPUMPEN NICHT.

Auch bei frostigen Minusgraden haben Wärmepumpen kein Problem, das Haus aufzuheizen. Ein Ausfall ist bei diesen Temperaturen ausgeschlossen, selbst ein komplett ungedämmtes Haus wird im Winter warm. Einzig der Stromverbrauch steigt bei extremer Kälte an: bei sanierten Häusern weniger, in unsanierten mehr. Solche tiefen Temperaturen sind im Oberaargau inzwischen selbst im Winter eine Seltenheit geworden. Sie treten heute nur noch an wenigen Tagen im Jahr und auch nur stundenweise auf. Grundsätzlich funktioniert die Wärmepumpe auch in kalten Klimazonen gut und ist dort relativ beliebt. Ein Blick auf die Europakarte zeigt, dass die Mehrzahl der Wärmepumpen in Skandinavien installiert sind. Dort sind sowohl Durchschnitts- als auch Minimaltemperaturen deutlich niedriger als in unserer Region. Gerade bei sehr kalten Aussentemperaturen sind Wärmepumpen im Vorteil, die das Erdreich, Grundwasser oder eine andere wärmere Quelle nutzen. Dann arbeiten sie effizienter als Wärmepumpen, die ihre Primärenergie aus der Aussenluft beziehen.

WÄRMEPUMPEN SIND STROMFRESSER UND BELASTEN DAS STROMNETZ.

Bei einem normalen Energiestandard des Gebäudes machen Wärmepumpen aus Umweltwärme mithilfe einer Kilowattstunde Strom rund drei bis fünf Kilowattstunden Wärme. Liegt der Faktor bei drei, kommen rund zwei Drittel der Wärme aus der Umwelt und ein Drittel über den Strom. In einem Einfamilienhaus mit 180 Quadratmetern Wohnfläche benötigt man also für zwölf Kilowatt Heizleistung nur rund vier Kilowatt Leistung aus dem Stromnetz. Als Vergleich kann eine Ladung des Elektrofahrzeuges genommen werden. Eine Vielzahl an Elektrofahrzeugen wird mit 11 kW oder mehr elektrischer Leistung geladen. Der Strombezug aus dem Netz und damit die Netzbelastung kann z. B. durch eine Photovoltaikanlage oder eine andere dezentrale Energieerzeugungsanlage reduziert werden.

Dominik Lehmann

Dominik Lehmann

Dominik Lehmann ist gelernter Kaminfeger und Gebäudetechnikplaner. Mit Weiterbildungen zum eidg. dipl. Feuerungskontrolleur, eidg. Dipl. Energieberater sowie GEAK-Experten bringt er viel Erfahrung und Know-How in Sachen Gebäude und Heizsystemen mit. Er leitet seit 2019 die Wärme-Abteilung der clevergie ag und realisierte über 150 Heizungsprojekte.

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